






Rittertag und 10-Jahresfeier der Johanniter-Sozialstation in Malbork/Marienburg (Polen) Seit der feierlichen Einweihung der Johanniter-Sozialstation in Marienburg durch die Posen- Westpreußische Genossenschaft am 18. Mai 1999 hat sich ein festes Vertrauensverhältnis zwischen der Genossenschaft und den Bürgermeistern von Marienburg sowie der katholischen Kirche entwickelt. Die Idee, das zehnjährige Bestehen der Sozialstation in besonderer Weise zu feiern, wurde von allen Seiten sehr positiv aufgenommen und durch den Regierenden Kommendator,Christian Rogalla v. Bieberstein, dahingehend erweitert, die Feierlichkeiten mit dem Rittertag 2009 zu verbinden und sie direkt in der Marienburg, dem ehemaligen Sitz des Deutschen Ritterordens, heute Weltkulturerbe, stattfinden zu lassen.
In der Folgezeit fanden zahlreiche Gespräche mit den verantwortlichen Bürgermeistern der Stadt, der Burgdirektion (sie untersteht unmittelbar dem Kultusministerium in Warschau) und der katholischen Kirche stattfand. Während dieser Gespräche wurden unsere Vorstellungen sehr positiv aufgenommen. Die weiter vertieften freundschatflichenBeziehungen trugen wesentlich zum Gelingen beider Feierlich-keiten bei. Bei allen Gesprächen half Georg Fritz, Leiter der Deutschen Minderheit in Marienburg, als engagierter Mittler zur Stadt und zur Kirche. Da die 10-Jahresfeier der Sozialstation Priorität hatte, ergab sich die Notwendigkeit, diese vom Rittertag zeitlich zu trennen. So fand zunächst der Rittertag am 16. Mai statt, während am 18. Mai , au den Tag genau 10 Jahre später, der Gründung der Sozialstation feierlich gedacht wurde.
Der Rittertag selbst war seit 1902 die erste Johanniter-Veranstaltung, die in der Marienburg stattfand. Damals wurde in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. und zahlreichen Mitgliedern des Hochadels, dabei auch der Herrenmeister Albrechts Prinz v. Preußen, der Abschluss der Arbeiten zur Wiederherstellung des Hochschlosses gefeiert. An den Festlichkeiten nahmen viele Johanniterritter teil. Um sie zu ehren hingen Johanniterfahnen in den Burghof hinein und so war dies auf ausdrücklichen Wunsch der Burgdirektion auch im Jahr 2009.
Der Rittertag wurde am Samstag im Kapitelsaal mit der Ritterversammlung eröffnet. An ihr nahmen
69 Ritterbrüder der Posen-Westpreußischen Genossenschaft und 27 Gäste aus anderen Genossenschaften teil. Für die Ordensregierung waren der Ordenswerkmeister, Wolfgang Frhr. v. Stetten, sowie der Generalsekretär, Egon Frhr. v. Knobelsdorf, angereist. Als besonderer Ehrengast konnte der frühere Ordensstatthalter, Wilhelm Graf v. Schwerin v. Schwanenfeld, begrüßt werden.
Insgesamt nahmen am Rittertag über 200 Personen teil, darunter 40 Gäste aus Polen. Die Delegation der polnischen Malteser wurde von Nob. Zygmunt Komar (Kawaler ZPKM) angeführt. Zahlreiche Repräsentanten der polnischen Öffentlichkeit und die Schwestern aus den anderen Sozialstationen der Genossenschaft unterstrichen die Bedeutung der Veranstaltung auch für die Bevölkerung von Marienburg, Sie aber auch viele schaulustige Touristen begleiteten die Johanniter, die auf Wunsch der Burgdirektion ihre Ordensmäntel beim Zug zur St. Johanniskirche am Südrand der Burg trugen, wo an beiden tagen die Gottesdienste gefeiert wurden, und jeweils zurück zur Burg, wo die anderen Veranstaltungen stattfanden.
Beim Rittertaggottesdienst predigte RR Dekan Martin Lückhoff über die Bruder Gerhard zugeschriebenen Worte “Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend dieser Welt ist und weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten wollen, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen“. Er schlug damit auch eine Brücke zu Polen und insbesondere zu den polnischen Malteserrittern. Anstelle der defekten Orgel sang der hervorragende Marienburger Chor. Die Litturgie teilten sich der Hausherr der St. Johanneskirche, Probst Dr. Mis, der Prälat ks. Jan Zolnierkiewicz und sein Bruder ks. Infulat Julian Zolnierkiewicz, ein Malteserritter. Der evangelische Pffarer Pawel Hause aus Rastenburg übersetzte jeweils andere Sprache.
Während des Gottesdienstes verlas Komar eine Grußbotschaft des polnischen Malteser Präsidenten, Andrzej Potworowski, an der Herrenmeister, in der er diese Veranstaltung als Meilenstein für die Weiterentwicklung des ökumenischen Dialogs der beiden christlichen Kirchen herausstellte, begrüßte die Unterstützung der Kranken und Hilfsbedürftigen in Sensburg und dankte RR Christian Frhr. v. der Leyten, „dem Freund unseres Verbandes, der durch sein Wohlwollen und sein persönliches Engagement unsere Zusammenarbeit ermöglicht hat“. Mit besonderem Dank wurden anschließend vom Bürgermeister von Marienburg das diakonische Wirken einzelner Johanniterritter in Marienburg und der Anteil von Georg Fritz an der Vorbereitung der Veranstaltung gewürdigt.
Im Zuge der Amtshandlungen des Kommendators wurden sieben neue Ehrenritter feierlich in die Gemeinschaft der Genossenschaft aufgenommen. Ein Ehrenritter erhielt das Ehrenritterkreuz und drei Damen wurden für ihr Wirken mir der Ehrennadel des Johanniterordens ausgezeichnet.
Die Festveranstarltung war gekennzeichnet durch zahlreiche Grußworte und Berichte aus dem Leben der Genossenschaft. Auch bedankte sich dann der Regierende Kommendator beim Direktor der Burg für erwiesene Gastfreundschaft und der Stellvertreter des Kommendators, Bernhard v. Fischern, übergab als Zeichen des Dankes dem Vize-Direktor der Stiftung Mater Dei, Herrn Panek, einen Scheck in Höhe von 5.000,- Euro für die Erneuerung der 1945 zerstörten Marienfigur, die in einer Nische an der Ostseite der Marienkirche den Burg ihren Platz finden wird.
Der Rittertag fand mit einem festlichen Abendessen in der Vorburg Karwan seinen Abschluss. Ein Erlebnis war für viele die nächtliche Burgbesichtigung.
Am Sonntag fuhr die gesamte Johannitergesellschaft in drei Bussen nach einer kurzen Besichtigung der Sozialstation nach Frauenburg, nahm an einem Orgelkonzert in der Kathedrale teil und folgte den Spuren von Kopernikus, der in Frauenburg sein berühmtes Werk „Von den Bewegungen der Himmelskörper“ verfasst hatte. Auf der Rückfahrt gab es bei einem kurzen Halt in Candinen Gelegenheit, sich an der Zeiten zu erinnern, als Kaiser Wilhelm II. dort zu Jagd weilte.
Der Montag stand nun ganz in Zeichen des Stolzes auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit der Sozialstation. Am Festgottesdienst in der St. Johanneskirche nahmen wieder über 200 Personen, dabei 57 polnische Gäste teil. Der Malteseorden war durch Prof. Heinrich Kubiak und seine Frau vertreten. Aus Danzig kam deutsche Generalkonsul Joachim Bleicker. Zahlreiche Vertreter der polnischen Öffentlichkeit und die Schwestern anderer Sozialstationen, auch aus Ermland-Masuren, zeigten durch ihre Anwesenheit ihre Verbundenheit zur Sozialstation Marienburg. Die Predigt hielt RR Pfarrer Günther Grigoleit über die Bergpredigt und die acht Seligpreisungen. Schwester Alicja Sinska und Wislawa Dolata aus Marienburg erhielten aus den Hand des Regierenden Kommendators die Ehrennadel des Johanniterordens.
In der Festveranstaltung im Großen Remter sprach der Ordenswerkmeister über die wechselvolle deutsch-polnische Geschichte und ihre Folgen. Nach einem Grußwort des deutschen Generalkonsuls gab RR Carl-Georg v. Rège, Beauftragter der Genossenschaft für die Sozialstationen, eine Darstellung über die Entwicklung und den aktuellen Stand dieser Sozialstationen. Abschließend folgte eine kurze Selbstdarstellung des Johanniter-Hilfswerkes in Polen (JDP) durch seinen Präsidenten, ER Janusz Krzaczek, und den hauptamtlichen Vorstand, Szymon Kopiecki. An allen Tagen waren eifrige Helfer des JDP zur sanitätsdienstlichen Absicherung als jüngstes Ordenswerk unübersehbar im Einsatz. Ein Mittagessen in der Vorburg Karwan beendete die eindrucksvolle 10-Jahresfeier der Johanniter-Sozialstation in Marienburg.